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Dienstag, 20. Februar 2018

Rebecca Hunt / Everland

EverlandLesen mit Tina

Klappentext
Rebecca Hunts zweiter Roman ist Abenteuergeschichte, spannender Thriller und psychologisches Drama in einem. Die Insel Everland wird von zwei Antarktisexpeditionen erforscht, zwischen denen hundert Jahre liegen. Doch die Einsamkeit, die harten Wetterbedingungen und die feindseligen Kräfte der Natur sind heute wie damals bestimmend, und bei beiden Expeditionen zeigt sich: Die Antarktis enhüllt den wahren Charakter der Menschen, die sich ihr aussetzen.

Autorenporträt
Rebecca Hunt wurde 1979 in Coventry geboren und hat am Central Saint Martin's College, einer bekannten Londoner Hochschule für Kunst und Design, studiert. Rebecca Hunt ist Malerin und lebt in London. Ihr erster Roman „Mr. Chartwell“ stand auf der Longlist des Guardian First Book Award und auf der Shortlist des Galaxy National Book Award, ihr zweiter Roman „Everland“ kam auf die Shortlist des Encore Award 2014.

Von der Autorin ist dies mein erstes Buch. Der Klappentext klingt ja recht vielversprechend.

Tina und ich beginnen mit dem Buch am kommenden Donnerstag, 22.02.18, zu lesen. Bis dahin werde ich ein paar Seiten probelesen.


Buchbesprechung
Samstag, 24.02.2018

Leider musste ich das Buch nach einhundert Seiten wieder abbrechen. Inhaltlich hat mich der Roman gelangweilt, vom Schreibkonzept her fand ich ihn wegen der temporären Unterschiede anstrengend zu lesen, da sich die Handlung in der Vergangenheit 1913, im Wechsel mit der Gegenwart 2012 abspielt. Das Kapitel beginnt im April 1913, das nächste Kapitel März 1913. Man musste sich hier einen Monat rückwärts denken; das nächste behandelt das Kapitel November 2012. Drei verschiedene Zeitsprünge, und diese Wechsel setzen sich durch das gesamte Buch fort. Und das Schlimmste; ich konnte mit den Figuren definitiv nicht warm werden. Ich konnte keine innere Beziehung zu ihnen aufbauen. Leider hat sich der Klappentext auf diesen einhundert Seiten für mich nicht erfüllt. 

Dadurch, dass ich mich das ganze letzte Wochenende mit Dickens durch die mangelhafte Übersetzung gequält hatte, möchte ich nicht ein weiteres Wochenende mit einem Buch verbringen, das mir wenig Freude schenkt. 

Ich möchte nun niemanden das Buch absprechen. Wir besitzen alle einen unterschiedlichen Lesecharakter. Es muss jeder für sich selbst herausfinden, ob das Buch den eigenen Ansprüchen genügen wird. Wer sich von dem Klappentext angesprochen fühlt, der sollte dem Buch eine Chance geben. 

Nun bin ich gespannt, welche Erfahrung Tina mit dem Buch machen wird. 



Weitere Informationen zu dem Buch

Ich möchte mich recht herzlich bei Luchterhand Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar recht herzlich bedanken.

Und hier geht es auf die Verlagsseite von Luchterhand.

·         Gebundene Ausgabe: 416 Seiten, 22,- €
·         Verlag: Luchterhand Literaturverlag (13. Juni 2017)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3630874630

Sonntag, 28. Januar 2018

Markus Zusak / Der Joker (1)

Der Joker
Lesen mit Tina

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Ich bin durch mit dem Buch. Ich habe mich mit meiner Meinung stark zurückgehalten, da ich mich noch nicht richtig dazu entschließen konnte. Nach dem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, möchte ich meine Sichtweise kundtun, die erneut von Tinas abweicht.

Für mich es ist ok, unterschiedliche Ansichten zu haben. Es zeigt, dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen muss. 

Ich hatte mich bemüht, das Buch nicht mit Der Bücherdiebin zu vergleichen, doch nun kann ich nicht anders. Mir hat die Bücherdiebin viel besser gefallen ... Die Figuren in dem Joker waren mir nicht authentisch genug, wie ich sie in der Bücherdiebin erlebt hatte.

Meine innere Ambivalenz

Ich konnte definitiv mit diesem Buch nicht viel anfangen. Auch das Medium Spielkarten, die im Briefkasten des Protagonisten lagen, war mir fremd, obwohl die Botschaft deutlich war … Außerdem mag ich persönlich Spielkarten nicht. Das Buch hatte surreale Züge ...

Den Menschen, auch fremden, etwas Gutes zu tun, sie mit Zivilcourage ein wenig von der Schwere ihres Lebens zu befreien, fand ich gut, und hat mich an den französischen Spielfilm Die fabelhafte Welt der Amelie erinnert, siehe unten ...

Doch dreiviertel des Buches wurden die Probleme mit roher Gewalt behandelt. Die Konflikte mit Gewalt aus der Welt zu schaffen, fand ich schwach, erst recht, weil dies ein Jugendbuch ist. Dass sich am Ende alles aufgelöst hat, fand ich wiederum gut.

Die Figuren kamen mir recht unreif vor. Vor allem Ed schien auf mich zeitweise eine unreife und komische Figur zu sein, obwohl er durchaus mit schwarzem Humor sein Leben reflektiert.

Manchmal hat Zusak viel zu dick aufgetragen. Zu viel Gewalt, zu viele Probleme, zu viel Pathos, zu viel Naivität.

Ein paar Fakten zum Inhalt

Ed, 19 Jahre alt, der aus einem sozial schwachen Elternhaus kommt, hat es noch nicht weit gebracht. Keine Berufsausbildung, ist Taxifahrer und lebt mit seinem alten Hund namens Türsteher in einer Hütte nahe am Waldrand. Ed leidet darunter, dass er in einem geringen sozialen Status steckt, obwohl er jung genug ist, beruflich noch etwas aus sich zu machen. Aber wie soll er eine Berufsausbildung finanzieren, wenn die Stipendien nur an hoch entwickelten jungen Menschen verliehen werden?

Eds Vater war Alkoholiker. Er soll aus der Sicht des Sohnes eine sanftmütige Seele gehabt haben, wäre der Alkohol nicht gewesen, mit dem er sich totgesoffen hat …

Eds Mutter ist eine richtige Kratzbürste ihrem Sohn gegenüber. Von Mutterliebe ist hier keine Spur, da Ed sie vom Auftreten her an seinen Vater erinnert … Sie wendet sich nur an ihren Sohn, wenn sie von ihm etwas benötigt ...

Ed, der Superheld

Ed besitzt Gerechtigkeitsempfinden, leidet mit, wenn auf anderen Unrecht verübt wird.

Er schafft es, mit Hilfe der Polizei einen unfähigen Bankräuber hinter Gitter zu bringen …

Er kümmert sich um eine einsame alte Dame, die demenzielle Verhaltensweisen an den Tag legt. Sie ist Witwe, und sie scheint vergessen zu haben, dass ihr Mann Jimmy tot ist. Ed besucht die alte Dame fast täglich und übernimmt die Rolle ihres verstorbenen Mannes.

Er macht nicht nur diese alte Frau glücklich. Er lässt auch Kinderherzen höherschlagen, in dem er für außergewöhnliche Weihnachtsdekorationen für die leuchtende Außenfassade am Haus sorgt …

Im anderen Fall kauft Ed einer Mutter ein Waffeleis, da diese Mutter häufig nur den Kindern ein Eis schenkt, aber nie sich selbst.

Doch Ed hat eigene Probleme, und die erfordern genauso viel Aufmerksamkeit. Durch die letzte Spielkarte wird er gezwungen, sich um sie zu kümmern. Seine Liebe zu Audrey zum Beispiel, die erst nicht erwidert wurde …

Weitere Beispiele sind dem Buch zu entnehmen.


Mein Fazit?

Es gibt eine Chemie zwischen Menschen, also gibt es auch eine Chemie zwischen einem Buch und den Lesern. Es gibt eine Chemie zwischen den Figuren und den Lesern. Deshalb, die Chemie zwischen mir und Ed hat einfach nicht gestimmt.

Die Wortwahl fand ich gut, Zusak spielt mit der Sprache. Ich fand ihn sehr ausdrucksstark.

Vergleiche mit dem Amelie-Film / Parallelen zwischen dem Buch und dem Film

Ich gebe noch einen Filmlink von Die fabelhafte Welt der Amelie mit rein. Amelie lässt auch Menschenherzen höherschlagen, aber mit weniger Pathos und mit viel Sensibilität und mit wenig Gewalt, denn auch Amelie rächt unfaires Verhalten auf ihre ulkige aber intelligente Art und Weise ... Amelie kümmert sich im Versteckten um einsame Menschen, ganz selbstlos, macht ihnen eine Freude, ohne dass diese Menschen wissen, wer sich hinter dem Glücksbringer verbirgt. Auch Amelie ist einsam, auch Amelie ist verliebt … Auch der Film wirkt etwas Komikhaft, aber er ist authentisch.
Man kann nicht anders, als Amelie ins Herz zu schließen, während ich für Ed diese Sympathie definitiv nicht aufbringen kann. 

   Youtube; Die Fabelhafte Welt der Amelie

Telefongespräch mit Tina, siehe unten.

Und hier geht es zu Tinas Buchbesprechung.

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
1 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Zehn von zwölf Punkten.

Weitere Informationen zu dem Buch

·         Taschenbuch: 448 Seiten, 8,99 €
·         Verlag: cbj (10. November 2014)
·         ISBN-10: 3570402975
·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre

Und hier geht es auf die Verlagsseite von cbj.
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Nachtrag: Telefongespräch mit Tina

Heute, 29.01.2018, um 17:00 Uhr fand unser Telefongespräch zwischen Tina und mir statt. Unsere Eindrücke waren recht ähnlich, aber es gab auch Abweichungen, was, auch aus Tinas Sicht, völlig normal sei …

Tina konnte für Ed mehr Sympathie abgewinnen, als ich es tat. Da Tina als Gymnasiallehrerin täglich mit jungen Menschen zu tun hat, konnte sie sich leichter in Ed und seiner Crew hineinfühlen. Null-Bock-Jugendliche, die es in jeder besten Schule zu finden gibt. Da mir solche Vergleiche fehlen, es sei denn, ich erinnere mich an die eigene Schulzeit, was ich nicht gerne tue, hat Tina natürlich recht. Trotzdem, wenn ich Ed mit Amelie vergleiche, die sich auch im jugendlichen Alter befand, so ist es mir viel leichter gefallen, mich in Amelie hineinzuversetzen …

Was uns beiden aufgefallen ist, war der unvollendete Schluss. Wer ist denn nun die Person gewesen, die dem Ed die Karten in den Briefkasten geworfen hat? Gut, dass Tina das angesprochen hat, denn ich hatte schon befürchtet, etwas überlesen zu haben. Aber nein, diese Person blieb namenlos. Dies ist das, was ich anfangs als surreal bezeichnet habe. Diese Person, die es gut mit Ed meint, die ihm hilft, nicht nur für andere Menschen Gutes zu tun, sondern auch für sich selbst, scheint nicht in der realen Welt zu existieren … Hat der Autor unsauber gearbeitet, oder ist es Absicht, dass diese ominöse Gestalt für uns Leserinnen fremd bleibt?

Was Zusaks Buch zur Bücherdiebin betrifft, waren wir uns beide einig, dass die Bücherdiebin weitaus besser abgeschnitten hat. Jugendliche würden aber eher mit dem Joker mehr anfangen können, vom Verhalten und vom Sprachjargon her. Kurze Sätze, eine weniger gewählte Sprache, andere Symbolik. Diesen Gedanken hatte ich erst auch, dass das vorliegende Buch ein Jugendbuch sei, und ich es eher aus der Warte einer Erwachsenen gelesen habe, doch dann ist mir eingefallen, dass die Bücherdiebin schließlich auch ein Jugendbuch sei, und trotzdem in einer gehobeneren Sprache verfasst wurde, sodass ich diese Gedanken wieder verworfen hatte.

Das Buch mit Amelie zu vergleichen fand Tina passend.

Nächstes Mal lesen Tina und ich von Rebecca Hunt Everland.

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Gelesene Bücher 2018: 04
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Sonntag, 31. Dezember 2017

Daniel Kehlmann / Tyll Ulenspiegel (1)

Lesen mit Tina und Sabine

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Meine persönlichen Eindrücke 

Dieses Buch haben wir zu dritt gelesen, Sabine hat sich uns, Tina und mir, noch angeschlossen, wobei Sabine in der Hörbuchfassung vertieft war. Sabine ist ein Mitglied aus dem Bücherforum Watchareadin. Dort haben wir uns alle drei zu unterschiedlichen Zeiten kennengelernt.

Mir hat das Buch ein wenig Probleme verschafft, aber in der Runde mit meinen beiden Bücherfreundinnen hat es richtig Spaß gemacht, es zu lesen. Das Buch haben wir zwar lesend beendet, aber was bleibt, sind die schönen unterschiedlichen Leseerfahrungen, die wir zu dritt machen durften. Unterschiedlich? Tina und Sabine gaben dem Werk die Höchstzahl 5 Sterne mit einem zusätzlichen Plus. Ich selbst vergebe Punkte bis zu 12 in der Höchstzahl, und Kehlmann hat von mir 11 von 12 erhalten, also eher einen Punktabzug, siehe Punktetabelle am Schluss.

Und nun zum Buch:

Als ich die ersten Seiten Probe gelesen hatte, habe ich Tina mitgeteilt, dass das Buch mich stark an das Mittelalter erinnern würde, und ich nicht glauben würde, dass es mein Genre sei. Inquisition, Hexenverbrennung, Aberglaube, hohe Kindersterblichkeit, um ein paar Schlagwörter zu gebrauchen. Aber als ich weitergelesen habe, hat mich das Buch unerwarteterweise wieder gepackt. Zur Mitte hin hat es bei mir allerdings wieder gekippt. Es wurde mir zu anstrengend, bedeutende Figuren im Internet nachzuschlagen, da mein Lesefluss unterbrochen wurde. Es ist ein historischer Roman über den Dreißigjährigen Krieg, der aber vom Konzept her nicht chronologisch gegliedert war. Schwer getan habe ich mir auch mit den vielen Themen/Handlungs- und Zeitsprüngen, sodass ich mich gefragt habe, ob dies ein Kunstfehler war? Nicht, dass mir dieser Schreibstil fremd wäre, nein, hier waren es mir definitiv zu viele Sprünge, und ich dadurch die historischen Fakten nicht richtig zusammenhalten konnte. Die Kapitel wirkten auf mich manchmal zusammenhanglos. Und hier war ich ein wenig überfordert, und so wollte ich mich aus der Leserunde wieder ausklinken, aber Tina und Sabine haben ermunternd auf mich eingeredet, dran zu bleiben. Und darüber bin ich froh, habe die Kurve schließlich doch noch bekommen, auch wenn ich nicht dieselbe Begeisterung wie sie teilen kann. Nun haben wir ja Tina, die verglichen zu mir die Geduld aufgebracht hat, um bedeutende Namen im Internet professionell zu recherchieren, und sie dadurch für sich eine Lesestruktur hat aufbringen können, die mir gefehlt hat. Am Ende dieser Buchbesprechung verlinke ich Tinas Besprechung mit meiner. Sie kann so wunderbar auch über die Bücher schreiben, die von der Struktur her so schwierig zu lesen sind …

Mir hat in diesem Roman die Gewalt so zugesetzt, dieser lange Krieg; wirtschaftliche, religiöse Kriege; Kriege zwischen den unterschiedlichen Ständen, und die Zusammenhänge waren für mich dadurch schwer zu durchschauen, da ich den Eindruck bekam, dass jeder gegen jeden Kriege geführt hat. Könige, Kaiser, Soldaten, etc., obwohl Kehlmann diese nicht sooo blutrünstig beschrieben hat, aber mir hat es trotzdem gereicht, da Gewalt auch ohne Blutvergießen grausam sein kann. Manche anderen grausamen Episoden wiederum wurden nur in Ansätzen beschrieben, aber das lesende Hirn fügt den fehlenden Rest recht selbstständig hinzu ...

Die Figuren, an die man sich gewöhnt hat, verschwanden wieder recht schnell von der Bildfläche, weshalb mich viele Figuren mit wenigen Ausnahmen recht kalt gelassen haben. Außerdem habe ich manchmal gerätselt, wer in dem Roman denn der Protagonist ist?, da Tyll oftmals wieder in den Hintergrund geraten ist.

Das Buch ist aber recht verständlich geschrieben. Man kann, abgesehen von den oben aufgeführten Kritikpunkten, gut folgen. Ich hätte das Buch sonst abbrechen müssen.

Der Schluss hat mich wieder ausgesöhnt, denn er hat mir recht gut gefallen, als die überhebliche und unterkühlte Königin Liz ihren Sitz und somit ihre Macht verliert, versucht sie trotzdem noch ihre politischen und gesellschaftlichen Ansprüche geltend zu machen, obwohl sie alles verloren hat. Eine Monarchin ohne Krone ist für mich so nackt, so nackt, wie ein Mensch nur sein kann. 

Ein Historiker wird an diesem Buch sicherlich seine Freude haben.

Das Cover hat mich nicht angesprochen, aber es passt wunderbar in diese Zeit.

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
1 Punkte: Authentizität der Geschichte (Konzept und Aufbau der Handlungen, Figuren und Geschichte)
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Elf von zwölf Punkten.

Weitere Informationen zu dem Buch

·         Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
·         Verlag: Rowohlt; Auflage: 5 (9. Oktober 2017)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3498035673

     Und hier geht es zur Rezension von Tina.
 Und hier geht es zu der Rezension von Monerl.

Sabine führt keinen Blog.
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Es gibt nur eine Aufgabe,
und die besteht darin,
die Liebe zu vermehren.
(Leo Tolstoi)

Gelesene Bücher 2017: 60
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86


Mittwoch, 27. Dezember 2017

John Fante / Der Weg nach Los Angeles (1)


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Spannende Eindrücke in der Leserunde, interessant, sich mit anderen LeserInnen auszutauschen, wenn man nur genug Zeit für einen Austausch dieser Art. Ich werde am Ende dieser Buchbesprechung die Leserunde mit meinem Blog verlinken. Damit ich nicht alles nochmals schreiben muss, habe ich meine Argumente hier reinkopiert. Die späteren Argumente sind im Forum nachzulesen … 

... denn die Leserunde ist noch nicht abgeschlossen. Es lohnt sich also, dort immer wieder vorbeizuschauen. 

Wir waren uns in der Leserunde alle einig. Der 18-jährige Protagonist und Icherzähler Arturo Bandini ist uns total unsympathisch. Tina war die Einzige, die versucht hatte, Verständnis für den jungen Menschen aufzubringen. Revolte und Protest seien völlig normal in diesem Alter, doch später konnte ihm Tina auch keine Sympathie mehr abgewinnen.

Doch zuerst gebe ich erneut den Klappentext rein:
Anfang der dreißiger Jahre, ein Vorort von Los Angeles: Nach dem Tod seines Vaters muss sich der 18-jährige Arturo Bandini in einer heruntergekommenen Fischfabrik sein Brot verdienen. Doch er hat den Alltag und den endlosen Kleinkrieg zu Hause satt. Er liest Schopenhauer und Nietzsche und träumt von Höherem: Er möchte Schriftsteller werden. Und dafür muss er nach Los Angeles gelangen. Schnell schließt der Leser diesen arroganten, bös-witzigen und doch so sehnsuchtsvollen jungen Mann in sein Herz. Und träumt seinen großen Traum mit ihm. Der Roman erschien nicht mehr zu Fantes Lebzeiten, zu provokant waren Thema und Sprache für das Amerika der dreißiger Jahre.

Arturo ist für mich nur ein Pseudointellektueller. Er steckt in einem Identitätskonflikt, da er jemand anderes sein möchte. Viel Wind für nichts. Ich kann ihn nicht wirklich ernst nehmen. Er rennt mit Büchern namhafter Autoren durch die Gegend, um jedem zu zeigen, was er für Bücher liest. Er zitiert sehr häufig Friedrich Nietzsche und dessen ZarathustraArturo ist demnach ein Mensch, ein potenzieller Tagträumer, der nicht in seiner Welt lebt.

Er lehnt wie Nietzsche auch sämtliche Religionen ab, er lehnt auch Frauen ab. Aber Arturo ist dadurch auch sehr widersprüchlich in seiner Lebensart … Und er ist ein Kotzbrocken. Er beschimpft Gott, die Welt und seine Familie, die aus seiner Mutter, seiner 16-jährigen Schwester und einem Onkel besteht.

Er versucht unbewusst in die Identität von Friedrich Nietzsche zu schlüpfen und nimmt sich dabei viel zu wichtig. Doch manche Äußerungen sind zum Wegschießen, dreist- und lustig zugleich …

Er führt Krieg mit Krebstieren und mit Insekten. Er tötet diese Tiere in einer sehr sadistischen Form. Grauenvoll, diese Szenen möchte ich nicht wiedergeben …  

Onkel Frank ist auch eine merkwürdige Kreatur. Er bezeichnet Arturo als Hurensohn; in dieser Beziehung fand ich es gut, wie sich Arturo gegen diese Äußerung auflehnt, in der Art, dass, wenn er der Sohn eine Hure sei, müsse der Onkel der Bruder der Hure sein ...

Aber Arturo gebraucht selbst auch anderen Menschen gegenüber diesen und andere vulgäre, primitive Ausdrücke ...

Arturos Vater ist verstorben, und nun muss er als das Familienoberhaupt für seine Mutter und seine Schwester sorgen. Er hält die Jobs nicht aus, und kündigt immer wieder, oder er wird gekündigt und seine Rolle als Arbeiter ist für ihn nicht hinnehmbar, da viel zu bieder, er habe etwas Besseres verdient.

Ich versuche, mich diesbezüglich in seine Lage hineinzuversetzen. Arturo hat die High-School mit Abschluss verlassen, ist 18 Jahre alt und zu der damaligen Zeit war man mit 18 Jahren noch minderjährig. Es stört mich, dass er die Familie versorgen muss. Eigentlich müsste die Mutter, die sehr einfach gestrickt zu sein scheint, arbeiten gehen, aber sie macht sich vom Sohn und von den Almosen ihres Bruders, Arturos Onkel, abhängig. Mich nervt ihre Abhängigkeit, und dass sie sich zum schwachen Geschlecht macht. Sie könnte sich auch auf den Weg machen, einen Job zu finden, um für sich und für ihre beiden minderjährigen Kinder zu sorgen. Auch damals gab es schon Frauen, die arbeiten gingen. Und so wird die gesamte Verantwortung dem Sohn übertragen, weil er der Mann im Haus ist, sodass er gar keine Möglichkeit hätte, sich weiterzubilden bzw. eine berufliche Ausbildung zu absolvieren.
Doch Arturo könnte auch eine Abendschule besuchen aber dafür zeigt er auch keinen Elan, außer, dass er sich von Beruf als Schriftsteller ausgibt, allerdings ohne einen Text verfasst zu haben. Ein Traumtänzer, der in anderen Sphären lebt, und in Konflikten gerät, wenn beide Welten, Traum und Wirklichkeit, aneinander geraten.

Auf den späteren Seiten zeigt Arturo Autoaggressionen, verletzt sich selbst am Daumen, erkennt aber, dass der Schmerz der Einsamkeit größer sei. Auf Seite 161 versucht er zu beten, hält seine innere Krise schwer aus. Ein stark ambivalentes Verhalten, zwischen Auf- und Abwertung sich selbst gegenüber ... Auf der Seite 163 spricht er von seinen inneren Kämpfen mit sich selbst ... Niemand sei in der Lage, in sein Inneres zu dringen. Wie denn auch, er tut alles Mögliche, die Menschen von sich fernzuhalten.

Ein Lügenbold, erzählt zu Hause, er habe sich in der Fabrik verletzt und bezeichnet sich als Sklave, er opfere sich für die Familie, doch eigentlich habe er kein Leben in der Fischindustrie verdient, sondern er sehnt sich nach einem Leben im Land des Arkadien, in dem Milch und Honig fließen ... Arkadien, eine literarische Metapher, in dem die Menschen für das süßliche Leben nichts tun müssen, außer den Mund aufzutun. Alles fließt von selbst in den Mund.

Ziemlich dreist belügt er auch seinen Chef in der Fischfabrik in voller Länge, der die Lüge nicht durchschaut und so wird Arturo durch Mitleid für mehre Wochen freigestellt …

Zu Hause findet er seine Schwester lesend vor. Er reißt ihr das Buch aus den Händen und zerreißt es in tausend Stücken, als sie sich geweigert hatte, den Buchtitel preiszugeben. Doch was war es denn für ein Buch? Welchen Titel hatte es? Das hätte mich wirklich brennend interessiert. Ich hätte mir den Buchtitel vor dem Zerreißen angeschaut.
>>Ich ernähre deinen Leib. Da habe ich wohl das Recht zu erfahren, womit du deinen Geist fütterst. << (170)
Es ist ganz klar, dass Arturo Vorbilder sucht, und seine Vorbilder sind namhafte Schriftsteller. Der schlechte Umgang mit Frauen, den muss er sich auch von Nietzsche abgeguckt haben. Er zitiert viel aus Zarathustra. Nietzsche als der große Atheist und Nietzsche, der kein Freund von Frauen war. In meiner Jugend hatte ich den Zarathustra selber gelesen und erinnere mich vage, dass auch Nietzsche etwas gegen Frauen hatte ... Einerseits war Nietzsche von Frauen abhängig und andererseits fühlte er sich von den Frauen angewidert.

Unser Held Arturo behandelt die Frauen wie Insekten …

Ich habe mal gegoogelt, und tatsächlich war Nietzsches Frauenbild negativ besetzt, habe es also richtig in Erinnerung.

Arturo kommt hin und wieder dazu, sich selbst zu reflektieren, nur leider nicht besonders lange. Er gibt schließlich selber zu, dass er keine Lust habe, über sich groß nachzudenken.

Aber eine Wende gibt es schließlich doch noch, er hat sich endlich ans Schreiben gemacht und schreibt über eine männliche Figur, die auf der Suche nach seiner Traumfrau ist ...

Ich hatte mich gefragt, was uns denn der Buchtitel mitteilen wollte? Die Antwort kommt im Buch zum Schluss.

Es sind für mich viele Fragen offengeblieben. Ich hänge immer noch an der Frage fest, was Arturo zu dem gemacht hat, was er geworden ist? Schade ...

Das Nachwort von Alex Capus fand ich sehr lesenswert. Aber dass Bukowski Fante zu den besten Autoren Amerikas zählt, ist mir ein Rätsel. Noch scnlimmer, er betrachtete Fante als seinen Gott unter den Schriftstellern ... Ich habe schon bessere Bücher gelesen.


Mein Fazit?

Viel zu einseitig erschienen mir die Erzählperspektiven. Immer aus Arturos Sicht. Das war mir zu wenig. Ich hätte gerne mehr von seiner Mutter und der Schwester Mona erfahren. War Mona wirklich so religiös? Wollte sie wirklich ins Kloster? … Monas Sichtweisen haben mir definitiv gefehlt. Und Arturo war mit seinem Größenwahn richtig frech, hat überall Menschen beleidigt, kritisiert, und Ausländer wie Mexikaner und Latinos hat er von oben herab behandelt. Dass ihm keiner eine reingehauen hat, das kann ich nicht glauben. 

Deshalb drei Punktabzüge.

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
1 Punkte: Authentizität der Geschichte
1 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Neun von zwölf Punkten.

Und hier geht es zur Leserunde von Watchareadin.

Weitere Informationen zu dem Buch

Ich möchte mich recht herzlich beim Aufbau/Blumenbar-Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar bedanken. Auch bei Helmut Pöll, dem Forumsbetreiber von Watchareadin, ein großes Dankeschön für die Mühe, sich bei dem Verlag für die Leseexemplare eingesetzt zu haben.

·         Gebundene Ausgabe: 268 Seiten
·         Verlag: Blumenbar; Auflage: 1 (4. Dezember 2017)
·         Sprache: Deutsch, 20,00 €
·         ISBN-10: 3351050453

Und hier geht es auf die Verlagsseite von AUfbau/Blumenbar.
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Wenn du die Wahl hast, ob du recht behalten oder freundlich sein sollst,
wähle die Freundlichkeit.
(Dr. Wayne D. Dyer aus dem Buch Wunder)

Gelesene Bücher 2017: 58
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Gelesene Bücher 2014: 88
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Gelesene Bücher 2011: 86